
Ich habe Geburtstag! Heute bin ich vier Jahre alt geworden.
Damit bin ich als Maine-Coon-Kater endlich ausgewachsen: von der Nase bis zur Schwanzspitze bin ich 88 cm lang, Stockmaß bis zum Schulterblatt sind 30 cm und ich bin 5,5 kg schwer. Damit bin ich der Größte in der Nachbarschaft. Lea ist zwar genauso schwer, aber deutlich kleiner
Ein Geburtstag ist auch immer eine Gelegenheit zum Inne halten, Zeit für ein paar Reminiszenzen an die gute, alte Zeit. Im Großen und Ganzen bin ich
sehr zufrieden mit meinen bisherigen Leben. Ich wuchs in einer behüteten Großfamilie mit vielen Geschwistern und Cousins auf.
Aber man denkt ja auch schnell ans Ausziehen – und so schaute ich mir die Menschen ganz genau an. Irgendwann kam dann mein Mensch vorbei. Dort wollte ich hin, das war schnell klar. Aber es war einige Überzeugungsarbeit nötig – denn eigentlich wollte sie gar keine kleine Katze mitnehmen. Aber dank meines Einsatzes konnte sie gar nicht anders. So zog ich mit 3 Monaten um. Anfangs vermisste ich meine Mama und meine Familie ziemlich und wurde erstmal krank. Die Nase lief, die Augen waren zu und ich bekam so schlecht Luft. Aber nach und nach lebte ich mich ein und fing umgehend an, meinen Mensch zu erziehen. Denn was man erstmal durchgehen lässt verfestigt sich und kann nur noch schwer korrigiert werden! Zum Glück war ich auch als Katzenkind schon so umsichtig, es hat mir später einiges erspart. Leider wurde mir erstmal nichts erspart. Es gab eine Lampe mit dünnen Nylonfäden, die furchtbar interessant war! Aber als ich mal probehalber reinbiss, brachen die Fäden ab und ich verschluckte sie. Damit begann die schreckliche Odyssee vom Tierarzt in die Tierklinik und wieder zurück. Ich mag nicht mehr daran denken. Nach der Tierklinik war ich total verstört, mein Mensch trug mich wie ein Baby in einem Tuch vor dem Bauch herum und nahm mich nachts mit unter ihre Decke. Langsam wurde es wieder besser. Ich glaube, dass ich zu diesem Zeitpunkt meinen Menschen als neue Adoptivmama angenommen habe. Es ist ein Wunder, dass ich das alles überlebt habe – die Tierärztin hat erst letzte Woche wieder erzählt, dass sie alle das nicht zu hoffen gewagt haben. Wie durch ein Wunder haben die Nylonfäden meinen Darm nicht perforiert. Und als “Nebeneffekt” kam auf einem Röntgenbild mein Herzfehler zutage – und damit die Ursache für meine schlechte Atmung heraus. Auch das war kurz vor knapp – der eine Lungenflügel war schon mit Wasser gefüllt, der andere zur Hälfte. Einige Wochen länger und ich wäre erstickt. Also bekam ich Herztabletten und eine Entwässerungskur, die mich wieder auf den Grat zwischen Leben und Tod brachte. Dieses Mal kam der Tierarzt sogar im Notdienst zu uns nach Hause. Es war es wert so um mein Leben zu kämpfen. Und ich war doch noch so klein und hatte noch so viel vor mir! Also sah ich zu, dass es mir bald wieder gut ging.
Die Wohnung wurde mir bald zu klein und ich führte anstrengende Diskussionen bezüglich eines Freigangs. Anfangs ging mein Mensch immer mit raus – schließlich konnte mir meine richtige Mama als reine Wohnungskatze nicht zeigen, auf was man in den Ländereien achten muss! Es war sehr aufregend draußen! Die Geräusche, die vielen Bäume und Pflanzen – vor allem die Bäume waren anfangs tückisch: man fällt so leicht herunter! Oft hing ich mit einer Pfote noch am Ast und rief nach meinem Mensch – und sie kam und rettete mich. Mit der Zeit kam ich immer besser allein zurecht und die Diskussionen um eine Katzenklappe fingen an. Zum Glück setzte ich mich durch und bekam einen eigenen Eingang und konnte endlich kommen und gehen wie ich wollte. Ich freundete mich mit einem gleichaltrigen, schwarzen Kater an und wir zogen um die Häuser. Ab und zu kam er auch zu mir mit nach Hause. So hatte ich ein rundum schönes Leben, wenn man von Scherereien im wahrsten Sinne beim Tierarzt, seltenem Kranksein und leider häufigeren Abwesenheiten meiner Menschen absieht. Das ist bis heute wirklich schlimm für mich!
Dann kam ich zu dem Entschluß einen zweiten Menschen mir anzulegen, damit mein Mensch nicht mehr ganz so allein ist. Und so legte ich mir noch einen weiteren zu, was sich auf jeden Fall bewährt hat. Leider wird er immer hartnäckiger was das Tabletten geben anbelangt – obwohl ich mir größte Mühe gegeben habe das zu verhindern! Aber in diesem Punkt sind meine beiden Menschen leider resistent gegen jegliche Erziehung. Aber sonst bin ich doch sehr zufrieden mit meinen beiden Menschen und mit meinem Leben.
Und jetzt bin ich schon vier Jahre alt! Unglaublich, wie die Zeit vergeht.
Zur Feier meines Geburtstages schmeiße ich eine Runde Soße oder wahlweise Bündnerfleisch. Prost!
So kann es noch ewig weitergehen!



